Zimmer ohne Aussicht



Zimmer ohne Aussicht lädt das Publikum ein, ein (scheinbar) verlassenes Zimmer zu erkunden. Es ist die Aufgabe der Zuschauer:innen, die wahre Geschichte dieses Ortes und seiner früheren Bewohner herauszufinden. Waren sie zu mehreren hier oder alleine? Waren sie freiwillig hier? Haben sie hier gewohnt, oder kamen sie nur zu Besuch? War der Ort ein Versteck? Und wenn ja, wer wollte sich hier vor wem verbergen? Und wo sind die, die früher hier gelebt haben jetzt? Mit Hilfe der Chatfunktion des Livestreams können Zuschauer:innen direkten Einfluss auf die Bewegung der Kamera im Raum nehmen. Sie wählen selbst aus, welche Objekte (Möbel und zurückgelassene Habseligkeiten) genauer betrachtet werden, und wählen damit auch die Geschichte, die ihnen erzählt wird. Schließlich geben nur jene Objekte etwas preis, die man sich näher ansieht.

Der Arbeit liegt ein modulares Erzählsystem zugrunde, das (laut Mathematik) bis zu 6.720 verschiedene Geschichten generieren kann. In dem Zimmer werden also nicht nur verborgene, verleugnete oder vergessene Leben betrachtet, sondern auch, welchen Einfluss das was wir sehen wollen darauf hat, was wir zu sehen kriegen.

Das Projekt wurde unter dem Titel "1 Wahrheit" als Denkzeitstipendium durch die Kulturstiftung des Freistaats Sachen gefördert. Als Recherche beschäftigt sich das Projekt mit den Möglichkeiten modularer Erzählsysteme in menschlicher Abwesenheit. Wie viel vorgefertigte Information braucht ein Publikum um das Gefühl zu haben, eine Geschichte erzählt zu bekommen, und wo nimmt das Zuschauende Einfluss auf diese Geschichte, durch den Fokus den es wählt?

Ein, im Rahmen des Stipendiums entstandene, Miniaturzimmer kann per Videokammer von Gästen besucht werden, um in einer fortlaufenden Forschungsphase die Möglich- und Nötigkeiten eines immersiven, interaktiven Objekt-Theatererlebnisses auszuloten.

Konzept, Bau, Text, Musik: Franz Schrörs

Die Entstehung dieses Werkes wurde durch ein Stipendium der Kulturstiftung des Freistaats Sachsen ermöglicht.